Phytotherapie

Phytotherapie – Kraft der Pflanzen nutzen

Für jedes Leiden gibt es ein Kraut, welches Abhilfe bei den Beschwerden schaffen kann- zumindest glauben mindestens 72 Prozent der Frauen und Männer in Deutschland an die sogenannte Phytotherapie . Sie vertrauen auf die Heilkräfte von Pflanzen und Kräutern und wollen ein oftmals ein “sanftes” Medikament zur Behandlung ihrer Symptome nutzen, anstatt auf die Chemiekeule zurückzugreifen.

Pflanzenstoffe in reiner Form

Erst seit dem 19. Jahrhundert gelingt es Menschen, die in Arzneipflanzen enthaltenen Substanzen in reiner Form zu extrahieren. So wurden viele hochwirksame Wirkstoffe entdeckt, wie unter anderem Salicylsäure oder Morphin, welcher aus dem aus Weidenrinde des Schlafmohns stammt.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien aus der modernen Pharmaforschung belegen die Wirkung dieser Pflanzenstoffe. Für Präparate wie Johanniskraut, Ginkgo, Baldrian und viele andere liegen ebenfalls aussagekräftige Studienergebnisse vor.

Anwendungsgebiete der Phytotherapie

  • Atemwegserkrankungen
  • Erkältungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Stärkung des Immunsystems
  • Klimakterische Symptome
  • Lebererkrankungen
  • Magenbeschwerden
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Erkrankungen des Urogenitals
  • Vegetative Zustände
  • Verdauungsstörungen

Welche Pflanze bei welchen Beschwerden benutzen?

Dem einen läuft die Nase, der andere hat Magenschmerzen – was sollte man hier einnehmen und was nicht? Aber nicht nur bei einer Erkältung bietet die Phytotherapie viele Einsatzmöglichkeiten. Egal, ob du mit Husten und Schnupfen zu kämpfen hast oder unter einer Sportverletzung oder Verdauungsproblemen leidest – fast alle Beschwerden lassen sich mit der Kraft der Pflanzen lindern. Die beliebtesten Phytopharmaka sind:

  • Sonnenhut bei Erkältung: Wirkt immunmodulierend und kann als Tropfen, Saft, Tablette oder Dragee, sowie als frischer Pflanzensaft verwendet werden.
  • Arnika gegen Verstauchungen und Blutergüsse: Die schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung der Arnikatherapie hilft bei verstauchten Füßen oder Knieverletzungen. Arnikasalbe, Gel und Öl sind als Fertigarzneimittel im Handel erhältlich. Eine Arnika-Infusion oder eine Arnika-Tinktur, die drei- bis zehnmal verdünnt wurde, kann in Form von kalten oder warmen Kompressen hilfreich sein.
  • Ringelblumen in Wunden: Ringelblumen wirken antibakteriell, entzündungshemmend und fördern die Wundheilung. Ringelblumen sind in Form von Salben, Gelen oder Cremes erhältlich und können daher bei der Wundbehandlung hilfreich sein.
  • Kümmel bei Blähungen und Krämpfen: Kreuzkümmel ist dank seiner krampflösenden und entlüftenden Wirkung ein wirksames Heilmittel bei Verdauungsproblemen. Wissenschaftliche Studien bestätigen diesen Effekt.

Hat die Phytotherapie Nebenwirkungen?

Die Phytotherapie ist nicht als Einzeltherapie zur Behandlung von organisch bedingten, schwerwiegenden Erkrankungen geeignet. Sie sollte in diesem Fällen nur in Absprache mit dem behandelnden Heilpraktiker oder Arzt als Zusatz verwendet werden.

In der Schwangerschaft, während der Stillzeit sollten Frauen von der Einnahme der entsprechenden Präparate absehen und auch Kinder unter 12 Jahren sollten unter keinen Umständen eine Phytotherapie durchführen. Da sich in einigen Fällen ein verantwortungsbewusster Umgang mit Pflanzenheilmitteln in der Heilpraxis jedoch trotzdem bewährt hat, sollten Betroffene in Einzelfällen mit ihrem Arzt sprechen und gemeinsam mit ihm eine Entscheidung treffen.

Für einige Heilpflanzen oder deren Inhaltsstoffe, zu welchen unter anderem Anthranoide, Bitterstoffe, Tannine oder Glykoside gehören, gibt es spezielle Kontraindikationen und Anwendungseinschränkungen, auf welche du vor der Einnahme achten solltest, um Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen zu vermeiden. 

Phytopharmaka sind im Allgemeinen gut verträglich und nebenwirkungsarm. Fehler in der Dosierung oder auch eine falsche Art oder Dauer der Anwendung können in einigen Fällen zu unerwünschten Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen führen. Daher gilt auch hier: Sprich in jedem Fall vor der Anwendung mit deinem Arzt!

Grundregeln für die Einnahme von pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln

Aus den genannten Gründen sollten bei der Einnahme von rein pflanzlichen Produkten immer einige Grundregeln beachtet werden:

  • Auch pflanzliche Präparate können gefährliche Nebenwirkungen haben!
  • Auch, wenn die meisten Mittel als herkömmliche Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden, können sie die Wirkung von Arzneimitteln positiv oder negativ beeinflussen. Für den behandelnden Arzt sind daher nicht nur Informationen zu allen aktuell verwendeten Arzneimitteln relevant, sondern Patienten müssen offen und ehrlich mit allen Produkten und Medikamenten umgehen, welche sie regelmäßig konsumieren.
  • Vorsicht ist geboten, wenn Zubereitungen exotische Pflanzen enthalten. Auch wenn sie mit angeblichen wissenschaftlichen Studien beworben wird, ist es immer ratsam, mit dem Arzt oder Apotheker zu sprechen, bevor derartige Präparate eingenommen werden.
  • Das Bestellen von Produkten aus unzumutbaren Quellen des Internets birgt immer Risiken in sich, weshalb dem Kauf immer eine gründliche Recherche vorausgehen sollte.
  • Phytopharmazeutika müssen, wie jedes andere synthetische Arzneimittel, die Anforderungen des Arzneimittelgesetzes im Bezug auf Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit erfüllen, um als Arzneimittel zugelassen zu werden. Bei zugelassenen Arzneimitteln, die pflanzliche Wirkstoffe enthalten, kann daher davon ausgegangen werden, dass sie gemäß den Anwendungsinformationen in der Packungsbeilage sicher eingenommen werden können.

Sind zugelassene Phytopharmaka kompatibel?

Wie alle Arzneimittel sind Phytotherapeutika genehmigungspflichtig. Für die Zulassung von Phytopharmaka im Rahmen der “rationalen Phytotherapie” fordern die Behörden den Nachweis der Wirksamkeit sowie der Sicherheit und Qualität des Arzneimittels.

Für die “traditionelle Phytotherapie”, die in der Selbstmedikation eingesetzt wird, gelten vereinfachte Aufnahmebedingungen.

Der Nachweis der Verträglichkeit und Sicherheit eines Produkts wird durch mindestens 30 Jahre medizinische Verwendung erbracht, davon mindestens 15 Jahre in Europa. Ein Wirksamkeitsnachweis aus klinischen Studien ist nicht erforderlich.

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